Grüne Rückhaltebecken zur Schadensvorsorge

Burkhard Henning, Direktor Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), Geschäftsführer Talsperrenbetriebe Sachen-Anhalt (TSB).
1994, 2002, 2007....immer wieder das gleiche Bild: Überschwemmte Straßen, entwurzelte Bäume, unterspülte Brücken, überflutetet Keller und Wohnhäuser. Die Menschen in Sachen-Anhalt haben sich leidvoll daran gewöhnt, dass der Fluss vor ihrer Haustür mit gewisser Regelmäßigkeit über die Ufer tritt. Das Thema Hochwasser ist ganz zu Recht in den letzten Jahren in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gerückt. Noch nie in der Geschichte des Landes hat es in einer so kurzen Periode so viele Schäden durch Hochwasserereignisse gegeben. Vor allem im Harz und  Harzvorland. „Das Wohl der Allgemeinheit fordert insbesondere, dass Hochwasserschäden verhindert werden“, umschreibt das Wassergesetz den klaren Auftrag zur Schadensvorsorge. 

Das Hochwasserprogramm Sachen-Anhalt zielt mit auf den Brennpunkt Harz und das Einzugsgebiet der Flüsse Selke und Wipper. Hier sind der Hochwasservorsorge der Kommunen durch Topografie und Bebauung enge Grenzen gesetzt. Die Schaffung von zusätzlichem Hochwasserrückhalt tut Not - in diesem Fall durch drei neue Rückhalteräume. Erweiterung und Kanalisierung der Gewässer wäre aus städtebaulichen Gründen ebenso wenig eine Alternative, wie ein dezentrales Hochwasserrückhaltekonzept in den Nebengewässern sowie mobiler Hochwasserschutz in den Ortslagen. Eine Aufsplitterung der geplanten Stauwerke in mehrere kleinere Vorhaben hätte einen noch stärkeren Flächenverbrauch und Eingriff in die Natur zur Folge. Diese Schlussfolgerung ist das Ergebnis umfangreicher Vorstudien und Variantenvergleiche. Und selbstverständlich waren in diesen langjährigen Entscheidungsprozess die betroffenen Kommunen eingebunden.
  
Alle Rückhalteräume sind als „Grüne Becken“ konzipiert. Das heißt,  außerhalb der Hochwasserspitzen bleiben die Täler von Selke und Wipper wie man sie kennt, geschätzt von Wanderern und Touristen. Unmittelbar profitieren an der Selke die Kommunen Straßberg, Silberhütte, Alexisbad, Mägdesprung und Meisdorf vor überraschenden Flutwellen, die erfahrungsgemäß keine lange Vorwarnzeiten haben.  Die Hauptschäden entstehen jedoch, wenn die Flut das Entstehungsgebiet im Harz verlässt und in das flache Nordharzvorland dringt. Gerade für die Unterlieger schaffen die Rückhaltebecken wirksame Abhilfe.

Sie entstehen jedoch inmitten nationaler und europäischer Schutzgebiete. Der ausführende Talsperrenbetrieb in Blankenburg (TSB) ist sich dieser Verantwortung bewusst. Unbestritten verändern die Hochwasserschutzdämme das Bild der Landschaft. Der Eingriff ist jedoch zugunsten der  Gefahrenabwehr für die stark hochwassergefährdeten Siedlungsgebiete abzuwägen. Eine ökologische Begleitplanung prüft sorgfältig etwaige  Auswirkungen auf Flora und Fauna und unterbreitet Vorschläge, wie diese minimiert und ausgeglichen werden können. Die Trockenbecken sind so angelegt, dass ökologische Durchgängigkeit und touristische Nutzung außerhalb der Einstauphasen uneingeschränkt erhalten bleibt.  

© Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt