Was passiert mit Pflanzen und Bäumen ?

Bei einem hundertjährlichen Hochwasser wird das Gros der ankommenden Wassermassen abgebremst, der Rest fließt durch die Sperre hindurch. Der angestaute Wasserkörper ist also permanent durchströmt und dadurch – das ist entscheidend für das Überleben der Pflanzen - sauerstoffreich. Die Einstauhöhe und –fläche schwankt mit der natürlichen Zuflussmenge. Legt man einen dreitägigen Starkregen mit bis zu 150 Liter Regen pro Quadratmeter zugrunde, würden das Selketal zum Beispiel am Standort Meisdorf auf 36 Hektar überflutet. Der Zeitraum vom Beginn des Einstaus bis zur vollständigen Entleerung dauert 5 Tage, die maximale Stauhöhe hält jedoch nur wenige Stunden an. Am Rande und im hinteren Bereich des Flutgebietes entspricht die niedrigere Wassertiefe Verhältnissen in Aueökosystemen. Dazu gehört auch die natürliche Sedimentablagerung. Nach Ablauf des Hochwasser wird man an Blättern und Baumstämmen einen feinen Sedimentschleier sehen, die Talwiesen bedeckt eine Sedimentauflage die nach weiteren Regenfällen bald verschwindet.
Die an Überflutung angepassten landschaftsprägenden Erlen und Weiden entlang Selke und Wipper werden diese kurzzeitige Rekordfluten anstandslos überdauern. Zum Vergleich: Ein Jungweidenbestand im Flussbett des Alten Rheins zwischen Breisach und Basel überlebte 2003 fünfzig Tage fünf Meter tief unter stark strömendem Wasser. Ein weiteres Beispiel aus der Praxis: Im Frühjahr 2006 wurde das neue Hochwasserrückhaltebecken Lauenstein im Müglitztal (Erzgebirge) probeweise sechs Wochen eingestaut. Die Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen führte im Zuge der ökologischen Baubegleitung eine Bestandsanalyse vor und nach der Flutung durch. Ausfälle gab es zwar bei Nadelbäumen und Ginsterbüschen. Doch beim überwiegenden Teil der Biotope, der Auenvegetation und dem mit Laubhölzern bestandenen Talrand, stellten Wissenschaftler erfreulicherweise keine erkennbare Schäden fest. Fast alle Bäume trieben ihre Blätter aus.

