Was passiert mit Pflanzen und Bäumen ?

Selke und Wipper säumen Schwarzerlen und verschiedene Weiden (Bruch-, Grau- und Salweide) - allesamt Baumarten mit hoher Überflutungstoleranz, insbesondere im Winter. (dpa 10368048)
Vor den Erddämmen wird sich die Flut im Ernstfall auf stattliche 15 Meter Höhe aufstauen. In Dammnähe ragen dann von den größten Erlen und Weiden nur noch die Wipfel aus dem Wasser. Gewässerbegleitende Gehölze und Uferstaudenfluren werden eine geringere Empfindlichkeit gegenüber dem Einstau aufweisen als Vegetation der Trockenstandorte. Relevant sind neben der Einstaudauer der Zeitpunkt. Beim Laubaustrieb sind Bäume grundsätzlich empfindlicher als in der winterlichen Vegetationsruhe. Die Statistik zeigt jedoch, dass die Hochwasserereignisse vor allem im Dezember und Januar auftreten. Man weiß, dass stehendes Wasser vor allem im Sommer durch Erwärmung schnell sauerstoffarm wird und bei einem Einstau von mehreren Tagen die Vegetation abstirbt. Dieses Szenario ist bei den geplanten Rückhaltebecken ausgeschlossen.

Bei einem hundertjährlichen Hochwasser wird das Gros der ankommenden Wassermassen abgebremst, der Rest fließt durch die Sperre hindurch. Der angestaute Wasserkörper ist also permanent durchströmt und dadurch – das ist entscheidend für das Überleben der Pflanzen - sauerstoffreich. Die Einstauhöhe und –fläche schwankt mit der natürlichen Zuflussmenge. Legt man einen dreitägigen Starkregen mit bis zu 150 Liter Regen pro Quadratmeter zugrunde, würden das Selketal zum Beispiel  am Standort  Meisdorf  auf 36 Hektar überflutet. Der Zeitraum vom Beginn des Einstaus bis zur vollständigen Entleerung dauert 5 Tage, die maximale Stauhöhe hält jedoch nur wenige Stunden an.  Am Rande und im hinteren Bereich des Flutgebietes entspricht die niedrigere Wassertiefe Verhältnissen in Aueökosystemen. Dazu gehört auch die natürliche Sedimentablagerung. Nach Ablauf des Hochwasser wird man an Blättern und  Baumstämmen einen feinen Sedimentschleier sehen, die Talwiesen bedeckt eine  Sedimentauflage  die nach weiteren Regenfällen bald verschwindet. 

Die an Überflutung angepassten landschaftsprägenden Erlen und Weiden entlang Selke und Wipper werden diese kurzzeitige Rekordfluten anstandslos überdauern. Zum Vergleich: Ein Jungweidenbestand im Flussbett des Alten Rheins zwischen Breisach und Basel überlebte 2003 fünfzig Tage fünf Meter tief unter stark strömendem Wasser. Ein weiteres Beispiel aus der Praxis: Im Frühjahr 2006 wurde das neue  Hochwasserrückhaltebecken Lauenstein im Müglitztal (Erzgebirge) probeweise sechs Wochen eingestaut. Die Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen führte im Zuge der ökologischen Baubegleitung eine Bestandsanalyse vor und nach der Flutung durch. Ausfälle gab es zwar bei Nadelbäumen und Ginsterbüschen. Doch beim überwiegenden Teil der Biotope, der  Auenvegetation und dem mit Laubhölzern bestandenen Talrand, stellten Wissenschaftler erfreulicherweise keine erkennbare Schäden fest. Fast alle  Bäume trieben ihre Blätter aus. 

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