Hochwasser-Lage entspannt sich wieder

Wasser läuft über die Staumauer der Talsperre in Wippra im Landkreis Mansfeld-Südharz. (FOTO: DDP)


WIPPRA/MZ/FRF/HK. Bange Stunden haben viele Einwohner aus Wippra (Mansfeld-Südharz) in der Nacht zum Dienstag verbracht. Vor allem die, die ihre Grundstücke an der Wipper haben. Schmelzwasser hatte die Talsperre in Wippra am Montagabend zum Überlaufen gebracht (die MZ berichtete). Das Wasser drängte mit statt normalerweise 2,5 Kubikmeter pro Sekunde mit der vierfachen Menge den am Unterlauf der Wipper gelegenen Orten entgegen.

"Wir sind zum Glück mit einem blauen Auge davongekommen", sagte Ortsbürgermeisterin Monika Rauhut am Dienstag. Mit einem Pegel von etwas über 1,50 Metern blieb der Wert unter der kritischen Grenze von 1,85 Metern. Überschwemmungen waren nur auf Wiesen, jedoch nicht im Ort zu verzeichnen, sagte Monika Rauhut. Die Leitstelle des Landkreises und die Feuerwehren waren rechtzeitig vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz gewarnt worden.
Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) wollte allerdings nicht ausschließen, dass der Pegelstand der Wipper in Wippra und in Großschierstedt (Salzlandkreis) von der Hochwasserwarnstufe III doch noch auf die höchste Stufe IV steigen könnte.
Angesichts der Lage in Wippra fordert Ortsbürgermeisterin Rauhut, dass endlich mit dem Bau des seit Jahren avisierten Hochwasserrückhaltebeckens an der Wipper begonnen wird. In der Vergangenheit gab es immer wieder Verzögerungen, weil es aus Naturschutzgründen Widersprüche gegen das Projekt gab. Auch Aeikens unterstrich die Bedeutung des Vorhabens für den Hochwasserschutz an der Wipper, da die existierende Talsperre nur ein sehr begrenztes Speichervermögen habe. Die Talsperre war in der Nacht zum Dienstag übergelaufen. Nach Auskunft des Landesbetriebes für Hochwasserschutz soll der Bau kommendes Jahr gestartet werden.
Deutlich weniger dramatisch sei die Lage an den übrigen Flüssen in Sachsen-Anhalt, so Aeikens. Während die Wasserstände von Schwarzer und Weißer Elster, Ilse und Aller bereits wieder sinken würden, sei mit einem weiteren Anstieg der Saale zu rechnen. Grund sei, dass Thüringen den Abfluss seiner Saaletalsperren verdoppelt hat. "Dies bringt steigende Wasserstände, aber noch keine dramatische Entwicklung", sagte Aeikens. Im Bereich der Bode im Harz böten die Talsperren des Bodesystems noch ausreichend Stauraum. Mulde und Elbe seien bislang kaum gestiegen, an den Elbepegeln in Barby und in Tangerhütte herrsche die niedrigste Warnstufe I. In den nächsten Tagen rechnet der Landesbetrieb Hochwasserschutz an nahezu allen Flüssen mit sinkenden Pegelständen, weil Nachtfröste die Schneeschmelze im Gebirge verzögern würden.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 02.03.2010

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